Outdoor-GerichteVeröffentlicht am 6. November 2026
Notfallvorrat: Was die EU und Spanien wirklich empfehlen
Ja, es gibt eine Empfehlung zu 72 Stunden. Sie richtet sich an die Regierungen und Behörden der Mitgliedstaaten, sie ist kein Gesetz, und eine amtliche Einkaufsliste mit Mengen gehört nicht dazu.
Die EU wendet sich an die Staaten, nicht an die Haushalte
Am 26. März 2025 haben die Europäische Kommission und die Hohe Vertreterin die Strategie für eine Union der Krisenvorsorge vorgelegt, die Gemeinsame Mitteilung JOIN(2025) 130. Im Kapitel zur Vorsorge der Bevölkerung kündigt die Kommission an, Leitlinien für die Mitgliedstaaten vorzuschlagen, damit sich die Bevölkerung mindestens 72 Stunden selbst versorgen kann. Das ist eine Aufgabe für die Kommission, keine Anweisung an dich; Essen, Wasser oder Liter nennt das Kapitel nicht.
Die Leitlinien, Mitteilung C(2026) 8250 vom 30. Oktober 2026, hat Kommissarin Hadja Lahbib am 3. November 2026 auf dem Europäischen Katastrophenschutzforum vorgestellt. Sie sind ausdrücklich nicht verbindlich und sollen die Mitgliedstaaten ermutigen, ihre Vorsorge nach ihrer eigenen Organisation zu gestalten. Der Abschnitt zu 72 Stunden wendet sich an die Katastrophenschutzbehörden. Sie sollen Haushalten helfen, ihren Grundbedarf mindestens 72 Stunden lang zu decken, und Notfallpläne, Notgepäck und praktische Fähigkeiten wie Erste Hilfe fördern.
Als Grundbedarf nennt die Mitteilung Essen, Wasser, Medikamente, Kommunikation und Bargeld, als Fähigkeit das Kochen ohne Strom. Eine Liste mit Mengen enthält sie nicht.
Die Liste steht in einem Arbeitspapier
Konkreter wird das begleitende Arbeitspapier SWD(2026) 826. Auf Seite 15 beschreibt es das Essen so: „Food (that can be stored at room temperature, requires no heating, no or little water to prepare, and can be readily eaten without any or only simple preparation).“ Gemeint sind also Lebensmittel, die bei Raumtemperatur lagern, nicht erhitzt werden müssen und mit wenig oder gar keinem Wasser auskommen.
Danach folgen Wasser zum Trinken, Kochen und für die Hygiene, eine Möglichkeit zum Heizen, Kühlen und für Licht, Medikamente und Erste-Hilfe-Material, Hygieneartikel samt Lösung für Toilette und Abfall, ein Batterieradio und geladene Powerbanks, Bargeld in kleinen Scheinen und Münzen und, wo es das gibt, ein Bezahlweg, der offline funktioniert. Liter, Kalorien oder eine Zahl von Mahlzeiten nennt es nicht.
Auch dieses Papier ist nicht verbindlich und für die Mitgliedstaaten geschrieben. Die 72 Stunden gelten darin als Mindestmaß; wichtiger als die genaue Dauer ist, dass Menschen überhaupt handeln. Empfehlungen sollen bezahlbar und auch bei wenig Geld und wenig Platz realistisch sein.
Vorgeschlagen, aber nicht beschlossen ist ein jährlicher EU-Tag der Krisenvorsorge am 23. Oktober, ab 2027.
Spanien: eine Vorlage mit sieben Punkten
Die spanische Generaldirektion für Katastrophenschutz (Protección Civil) veröffentlicht eine Vorlage für einen Familien-Notfallplan. Darin steht unter der Überschrift „KIT BÁSICO DE EMERGENCIAS (72 horas)“ eine Liste mit sieben Punkten: Powerbank, Taschenlampe, Radio, Batterien, Wasser in Flaschen, haltbare Lebensmittel und regelmäßig benötigte Medikamente. Mengen gibt die Vorlage nicht an. Gedacht ist das Set für den Fall, dass eine Familie mehrere Tage außer Haus bleiben muss.
Katalonien wird genauer. Die Seite der Generalitat zum Notfallset nennt mindestens 1,5 Liter Trinkwasser pro Person und Tag und, wenn du zu Hause bleibst, lange haltbare Lebensmittel, die nicht gekocht werden müssen. Dazu kommen unter anderem Erste-Hilfe-Set, Taschenlampe, Kurbel- oder Batterieradio, Dokumente und Bargeld.
Die Region Madrid (ASEM 112) listet vierzehn Dinge, zuerst Wasser und schnell verzehrbare Lebensmittel, ohne Liter und Tage. Die Junta de Andalucía rät auf ihrer allgemeinen Seite nur, Radio, Taschenlampe, Erste-Hilfe-Set und Dokumente griffbereit zu haben. Mengen auf nationaler Ebene haben wir in Spanien nirgends gefunden.
Beim Wasser nennt jede Behörde ihre eigene Zahl
In den EU-Texten und in der Vorlage von Protección Civil steht keine Wassermenge; Katalonien nennt die erwähnten 1,5 Liter. Das deutsche Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) schreibt: „Ein erwachsener Mensch braucht mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag.“ Dazu rechnet es einen halben Liter am Tag zum Kochen.
Schweden empfiehlt, mindestens eine Woche allein zurechtzukommen, mit mindestens drei bis fünf Litern Wasser pro Person und Tag. Der französische Leitfaden „Tous responsables“ nennt in seiner Checkliste für 72 Stunden sechs Liter Wasser in Flaschen pro Person, für das ganze Set.
Beim Zeitraum schreibt das BBK: „Sie sollten sich für möglichst zehn Tage selbst versorgen können.“ Und: „Aber auch ein Vorrat für zumindest drei Tage hilft schon sehr.“
Was das für dein Essen heißt
Die Texte bevorzugen Essen, das nicht gekocht werden muss und wenig oder kein Wasser braucht. Unsere Beutel brauchen Wasser. Jeder Beutel in unserem 72-Stunden-Lebensmittelvorrat lässt sich auch mit kaltem Wasser zubereiten, etwa das Rauchiges Rinder-Chili mit Reis oder der Porridge mit Obst. Wie viel Wasser jeder braucht, steht auf dem Beutel und auf der Seite der Box. Rechne es zusätzlich zum Trinkwasser ein.
Eine Box mit Essen ist ein Teil des Vorrats, nicht der ganze. Wie du Essen für deinen Haushalt planst, steht im Ratgeber Lebensmittel für einen 72-Stunden-Vorrat planen, was ohne Kühlschrank und Wasserkocher funktioniert, in Lebensmittel für einen Stromausfall.
Beim Stromausfall fehlte vor allem eine Kochmöglichkeit
Am 28. April 2025 um 12:33 Uhr fiel auf dem spanischen und portugiesischen Festland das gesamte Stromnetz aus, so der Verband der europäischen Netzbetreiber ENTSO-E. Laut der spanischen Wettbewerbsbehörde CNMC waren am 29. April um 7:00 Uhr wieder 99,95 % des Bedarfs auf dem spanischen Festland gedeckt.
Danach befragte das spanische Umfrageinstitut CIS 1.752 Menschen. 41,6 % vermissten zu Hause etwas. Von denen, die etwas vermissten, nannten 34,9 % eine Energiequelle zum Kochen ohne Strom, 15,5 % ein Radio, 10,0 % Taschenlampen oder Kerzen, 8,1 % Batterien, 7,3 % Wasser und 5,4 % Lebensmittel, die nicht gekocht werden müssen.
Die Zahlen
| Beutel | Nettogewicht | Wasser | Mit heißem Wasser | Mit kaltem Wasser |
|---|---|---|---|---|
| Hähnchen mit Reis | 150 g | 400 ml | 8 Minuten | etwa 20 Minuten |
| Rindergulasch mit Kartoffeln | 150 g | 400 ml | 8 Minuten | etwa 20 Minuten |
| Rauchiges Rinder-Chili mit Reis | 150 g | 400 ml | 8 Minuten | etwa 20 Minuten |
| Pabellón Criollo | 150 g | 400 ml | 8 Minuten | etwa 20 Minuten |
| Linsen-Gemüse-Eintopf | 150 g | 400 ml | 8 Minuten | etwa 20 Minuten |
| Porridge mit Obst | 90 g | 250 ml | 5 Minuten | etwa 20 Minuten |
72-Stunden-Lebensmittelvorrat ansehen
Quellen
- Europäische Kommission und Hohe Vertreterin, JOIN(2025) 130 final, European Preparedness Union Strategy
- Europäische Kommission, C(2026) 8250 final, Guidelines on Population Preparedness
- Europäische Kommission, SWD(2026) 826 final, Arbeitspapier zur Selbstversorgung für mindestens 72 Stunden
- Europäische Kommission, GD ECHO, Meldung zur Vorstellung der Leitlinien am 3. November 2026
- Dirección General de Protección Civil y Emergencias, Plan Familiar de Emergencias
- Generalitat de Catalunya, Protecció Civil, Kit d'emergències
- Comunidad de Madrid, ASEM 112, Kit de emergencias
- Junta de Andalucía, allgemeine Hinweise für Notfälle
- BBK, Essen und Trinken bevorraten
- Krisinformation.se, Hinweise zur Vorsorge zu Hause
- Französische Regierung, Ratgeber „Tous responsables“
- ENTSO-E, Berichte zum Stromausfall auf der Iberischen Halbinsel am 28. April 2025
- CNMC, Erklärung des Präsidenten vor dem Ausschuss des Congreso, 13. Mai 2025
- CIS, Estudio 3513, Avance de resultados
Abgerufen am 6. November 2026.